Fotos: © ÖWM/Herbst, ÖWM/Grabmayr, ÖWM/Krebs
Der Advent, Weihnachten und Silvester animieren die Österreicher zum Sekttrinken: Zwölf Millionen Flaschen werden hierzulande allein in den beiden Monaten November und Dezember getrunken! Das sind 45 % des Jahreskonsums.
Trends: Rosé, trocken, alkoholfrei
Der "Schlumberger Sektreport 2024" zeigt: 90 % der Österreicher trinken zumindest gelegentlich Sekt, für 84 % ist er zu Silvester unverzichtbar. 77 % trinken ihn bei Geburtstagsfeiern, 71 % bei Hochzeiten, 51 % zu Weihnachten. Sekt wandelt sich aber immer mehr vom "Anlassgetränk" zum vielseitigen Life Style-Produkt und Speisenbegleiter: 25 % der Befragten trinken Sekt auch ohne besonderen Anlass – einfach aus Freude am Genießen.
Etwa 30 % der jüngeren Konsumenten kaufen zumindest einmal pro Monat Sekt. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen werden Themen wie Rosé, trockener Sekt, Qualität und nachhaltige, umweltfreundliche Produktion immer wichtiger. Diese Generation hat einen informelleren Zugang zu Sekt und ist experimentierfreudiger. Auch alkoholfreier Sekt liegt bei den Jüngeren stark im Trend.

Sekt Austria
Die heimische Sektwirtschaft – etwa ein Dutzend Sektkellereien, rund 200 Winzer und 3.000 Trauben- oder Grundweinlieferanten – kann sich freuen: Bei der Herkunft setzen drei Viertel der Konsumenten auf österreichische Qualität und bevorzugen heimische Schaumweine.
Um sicher zu sein, dass tatsächlich österreichischer Sekt in der Flasche ist, sollte man das Etikett genau lesen: "Sekt hergestellt in Österreich" ist nicht gleichbedeutend mit "Österreichischer Sekt". Denn nur, wenn 100 % der Grundweine aus Österreich kommen und die Versektung in Österreich stattfindet, darf das Produkt die Bezeichnung "Österreichischer Sekt" bzw. "Sekt Austria" tragen.
Diese 2022 festgelegte Bezeichnung für österreichischen Sekt geschützten Ursprungs und geprüfter Qualität soll dazu beitragen, die 100 %-ige Herkunft aus Österreich stärker ins Bewusstsein der Konsumenten zu rücken. Die rot-weiß-rote Banderole für Sekt Austria ist ein weiterer Garant für die österreichische Herkunft. Zudem werden die Produktionsrichtlinien durch die Bundeskellereiinspektion kontrolliert, und die Produkte einer sensorischen Prüfung durch eine Verkosterkommission unterzogen.
Die Sektpyramide
Die drei Qualitätsstufen heimischen Sekts sind in der sogenannten "Sektpyramide" definiert: Sekt Austria, Sekt Austria Reserve und Sekt Austria Große Reserve. Mit dieser Spitzengruppe nimmt die "Sektpyramide" Maß an den höchsten Standards der führenden Schaumweine der Welt – z. B. Champagner, Franciacorta – und geht in manchen Punkten sogar darüber hinaus.
Für die Schaumweine der ersten Stufe Sekt Austria gilt: österreichische Herkunft der Trauben und Grundweine aus einem geschützten Ursprungsgebiet, Mindestlagerzeit des Sekts auf der Hefe 9 Monate (bei Flaschengärung). In dieser Stufe ist neben der traditionellen Flaschengärung auch eine Tankgärung – Méthode Charmat – erlaubt. Hier beträgt die Mindestreifedauer 6 Monate.
Ab der zweiten Qualitätsstufe – Sekt Austria Reserve – sind ausschließlich Schaumweine zugelassen, die durch Flaschengärung produziert wurden. Alle Trauben und Grundweine müssen aus demselben Bundesland stammen. Außerdem ist eine Reifezeit auf der Hefe von mindestens 18 Monaten vorgeschrieben. Die Reserve-Sekte sind nach 24 Monaten für den Verkauf zugelassen.
Für die höchste Stufe – Sekt Austria Große Reserve – müssen alle Trauben in derselben Weinbaugemeinde gelesen und nach dieser bezeichnet werden (z. B. Poysdorf, Langenlois, Gols, Gamlitz …). Verpflichtend sind die traditionelle Flaschengärung und eine Mindestreife von 36 Monaten auf der Hefe.
Wichtig: Die Trauben für Sekt Austria Reserven und Große Reserven müssen handgelesen sein, und der Restzuckergehalt dieser Sekte darf 12 g/l nicht überschreiten. Sie müssen also innerhalb der Kategorien "brut nature", "extra brut" oder "brut" liegen.

Welche Rebsorten sind für österreichischen Sekt zulässig?
Grundsätzlich kommen für die Herstellung von Sekt alle 28 weißen und 14 roten in Österreich zugelassenen Qualitätsrebsorten in Frage. Je nach Verwendung der Sorten sind folgende, zusätzliche Sonderbezeichnungen möglich:
- Rosé: Grundweine aus roten Rebsorten oder als Cuvée aus weißen und roten Rebsorten
- Blanc de Blancs: Grundweine ausschließlich aus weißen Rebsorten
- Blanc de Noirs: Grundweine ausschließlich aus roten Trauben, die schonend – "weiß" – gepresst werden, sodass keine Farbstoffextrahierung aus den Beerenhäuten erfolgt.
Kategorien für österreichischen Sekt
Bevor die Sektflasche mit einem Naturkorken verschlossen wird, fügt man noch den Dosagelikör ("Liqueur d'Expédition") hinzu. Dieser bestimmt die Geschmacksrichtung und den Süßegrad des Sekts.
Sektkategorie & Restzuckergehalt
- brut nature/brut zero: 0-3 g/l
- extra brut/extra herb: 0-6 g/l
- brut/herb bis: 12 g/l
- extra trocken/très sec/extra dry: 12-17 g/l
- trocken/sec/dry/secco: 17-32 g/l
- halbtrocken/demi sec/medium dry: 32-50 g/l
- mild/dolce/doux/sweet: mehr als 50 g/l
Promotion für heimischen Sekt
Die ÖWM Österreich Wein Marketing GmbH und das Österreichische Sektkomitee bemühen sich um die Verbesserung von Wissen und Transparenz bei der Erzeugung und Vermarktung von heimischem Sekt. Ziel ist es, in Weinhandel und Gastronomie sowie bei den Konsumenten noch mehr Bewusstsein für österreichischen Sekt zu schaffen und diesen präsenter zu machen. Auch dessen Marktanteil soll gesteigert werden.
Zu den Promotionsmaßnahmen gehört auch der jährlich von der Branche veranstaltete "Tag des Sekt Austria" (eine unserer Meinung nach nicht ganz glückliche Formulierung). Jährlich am 22. Oktober wird der heimische Sekt durch verschiedene Aktivitäten in den Mittelpunkt gerückt. Bei zahlreichen Veranstaltungen können sich Sektliebhaber über die Produkte und Herstellungsmethoden informieren sowie die diversen Sorten und Qualitätsstufen verkosten.
Zugleich ist der 22. Oktober ein Tag der offenen Tür in den heimischen Sektkellereien: die perfekte Gelegenheit, um die verschiedenen Facetten des heimischen Sekts direkt am Entstehungsort kennenzulernen.

"Österreichischer Champagner"
Das Qualitätsbewusstsein heimischer Schaumweintrinker scheint hoch zu sein. In den vergangenen Jahren begann sich abzuzeichnen, dass viele – vor allem jüngere – Kunden bereit sind, für eine "Große Reserve" aus Österreich gleich viel oder sogar mehr zu bezahlen als für eine Flasche Champagner.
Stichwort "Champagner": Etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts beherrschte Champagner praktisch allein den internationalen Markt für Qualitätsschaumwein – auch in Österreich. 1842 begann Robert Alwin Schlumberger in Bad Vöslau mit der Produktion von damals auch hierzulande "Champagner" genanntem Schaumwein, nachdem er seine Position als Kellermeister beim Champagnerhaus Ruinart aufgegeben und sein Know-how nach Österreich mitgebracht hatte.
1890 startete Johann Kattus in Wien seine Schaumweinproduktion und belieferte Herrscherhäuser in ganz Europa. Damals wurde noch von österreichischem Champagner gesprochen, was seit dem Ende des Ersten Weltkrieges den Produzenten in der Champagne vorbehalten ist.
1925 wurde der Begriff "Sekt" rechtlich verankert. Seit Mitte der 1970er-Jahre dürfen in Österreich auch Winzer Sekt produzieren, zuvor war dies den Sektkellereien vorbehalten.
Da gemäß EU-Recht die Bezeichnung "Méthode Champenoise" außerhalb der Champagne nicht mehr erlaubt ist, muss es in Bezug auf flaschenvergorenen Sekt in Österreich seit 1995 korrekt "Méthode Traditionnelle" heißen.
Unsere Auswahl an österreichischen Winzersekten von Bründlmayer, Esterházy, Jurtschitsch, Loimer, Moser, Polz und Sabathi finden Sie hier: