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Im Fokus

01. Jänner 70

WW Winzer Photo

Steillagen. Südsteiermark. Sauvignon Blanc.

Die südsteirische Parade-Weinsorte blickt auf eine rasante Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren zurück. Sie zeigt sich heute international in Bestform und aromatisch sowie stilistisch in großer Bandbreite. Und: Sauvignon Blanc erweist sich als vielseitiger Speisenbegleiter den ganzen Frühling und Sommer hindurch. (Titelbild: © ÖWM / WSNA)

Die südsteirische Leitsorte im Portrait

 

"Die Steiermark macht Weine mit hohem Säure- und geringem Alkoholgehalt, die sehr beliebt sind. Es ist wichtig, die richtigen, geschützten Südlagen zu finden, und auch dann haben die Weine immer noch einen mageren, grünen Charakter." – So steht's im 320 Seiten dicken "Weinatlas" des renommierten englischen Wein-Publizisten Oz Clarke.

 

Angesichts des heutigen Niveaus des südsteirischen Sauvignons meint man, dies wäre bereits vor Lichtjahren geschrieben worden. Doch Clarke's Weinatlas erschien erst 1995. Dies zeigt die rasante Entwicklung, die sich in der Zwischenzeit abgespielt hat. In den knapp 30 Jahren, die seither vergangen sind, wehte ein stetiger frischer Wind der Erneuerung durch die südsteirischen Hügel, kaum ein Stein blieb auf dem anderen.

 

Längst hat sich die Südsteiermark weltweit als Herkunft von Sauvignons etabliert, die charakterisiert sind durch Frische, Duftigkeit, Fruchtigkeit und breitgefächerte, präzise Aromen. Die Weine sind mineralisch, knackig, klar, angenehm trocken und – im Fall der Lagenweine – tiefgründig, komplex, elegant und lange lagerfähig.

 

Der südsteirische Sauvignon hat Weltklasseniveau erreicht und muss keine Vergleiche mit den besten Sortenvertretern aus Frankreich oder Neuseeland scheuen.

© ÖWM / WSNA

 

Nuancenreichtum & Noblesse

 

Die regionale Paradesorte nimmt heute 26 % der südsteirischen Rebfläche von 2.800 ha ein. Die Aromenpalette umfasst je nach Herkunft und Vinifizierung Noten von Holunderblüte, Brennnessel und Paprika über Grapefruit und Maracuja bis zu Stachelbeeren, Weißen Ribiseln und Kräutern

 

Die Bandbreite des Sauvignons reicht von duftig-frischen Jungweinen bis zu hocheleganten Spitzen-Exemplaren mit unverwechselbarer Herkunft aus Einzellagen wie Pfarrweingarten, Zieregg, Kranachberg oder Pössnitzberg.

 

Die Region von St. Nikolai im Sausal über Gamlitz und Ehrenhausen bis Leutschach zeigt sich als eine bis zu 700 m hohe Hügellandschaft mit steilen, teilweise terrassierten Weingärten. Manche Winzer investieren hier rund 800 Arbeitsstunden pro Jahr und Hektar.

 

Seinen Charakter verdankt der südsteirische Sauvignon vor allem den vielschichtigen Böden – von Sand und Schiefer bis zu Mergel und (Muschel)Kalk. Das feuchtwarme, gemäßigte, mediterran beeinflusste Klima dominiert den langen Vegetationsverlauf. Kühle Nächte fördern die Entwicklung vielfältiger Aromen, die dem Sauvignon Nuancenreichtum und Noblesse verleihen.

 

Perfektes Food Pairing

 

Dank seiner frischen, lebendigen Säure und feinen mineralischen Noten erfüllt südsteirischer Sauvignon Blanc auch beim Food Pairing hohe Ansprüche und zeigt sich als erstaunlich vielseitiger Speisenbegleiter. Besonders gut harmoniert er mit regionalen Steirer-Spezialitäten wie Rindfleisch mit Kernöl und Käferbohnen, Sulz, Backhendl oder Wurzelfleisch mit Kren. Ebenso passt er hervorragend zu leichter, mediterraner Küche, zu Fisch, Muscheln und Meeresfrüchten sowie zu Ziegen- und Schafskäse.

© ÖWM / Ulli Kohl

 

Auch Gemüsegerichte und Spargel profitieren von seiner Frische, da Sauvignon Blanc grüne Aromen elegant aufgreift und verstärkt. Gehaltvollere Vertreter begleiten zudem würzige Nudelgerichte, Sushi oder asiatische Küche mit Schärfe und Umami sehr gut. Besonders stimmig wird die Kombination bei Gerichten mit frischen Kräutern, Guacamole oder Salaten mit Kräuterdressing.

 

Ein Erzherzog, Pioniere & Höhenflüge

 

Pointiert gesagt, begann die Erfolgsgeschichte des südsteirischen Weines bereits mit Erzherzog Johann (1782-1859). Denn der Habsburger war ein großer Förderer der Landwirtschaft und ließ 1854 in seiner Wahlheimat Steiermark zu Versuchszwecken 425 Rebsorten anpflanzen. Die meisten verschwanden bald wieder. Zu jenen, die blieben, zählt die heute wichtigste Sorte der Südsteiermark: Sauvignon Blanc.

© ÖWM / Martin Grabmayer

 

Winzer wie Manfred Tement, Willi Sattler oder die Brüder Erich und Walter Polz zählen zu den Pionieren des modernen Weinbaus in der Südsteiermark. Sie waren in den späten 1980er- und 1990er-Jahren vorne mit dabei, als man begann, die Erträge im Weingarten zu reduzieren, von Masse auf Qualität umzuschwenken, die Weine trocken und säurebetont auszubauen. Damit legten sie das Fundament für den internationalen Erfolg sowie die Bekanntheit steirischer Weine und trugen – neben vielen anderen Produzenten – zu deren Höhenflug bei.

 

Längst sind die Söhne und Töchter der Pioniergeneration erfolgreich am Werk: gut ausgebildet und international denkend, gehen sie eigene Wege, setzen da und dort neue stilistische Noten, widmen sich verstärkt dem biologischen Weinbau, natürlichen Weinbereitungsmethoden, dem Thema Nachhaltigkeit sowie touristischen und gastronomischen Projekten.

 

Neben einigen großen Leitbetrieben finden auch mehrere kleinere Weingüter, wie etwa Werlitsch, Oberguess oder Jaunegg, ihre Nischen, um Akzente zu setzen, vor allem im Naturweinbereich.

© ÖWM / Robert Herbst

Südsteiermark DAC Weine

Seit 2018 ist das Weinbaugebiet Südsteiermark eine DAC-Region. Dementsprechend werden die meisten Weine in den Kategorien Gebietsweine, Ortsweine und Riedenweine produziert und auf den Markt gebracht.

© WEIN STEIERMARK

 

Gebiets- und Ortsweine:

 

Leichtere, frische, fruchtbetonte, zugängliche Weine, die aus den Trauben verschiedener Lagen cuvéetiert werden. Für Gebietsweine darf das Lesegut aus der gesamten DAC-Region Südsteiermark stammen, für Ortsweine jeweils nur aus den Weingärten der Gemeinden Kitzeck-Sausal, Eichberg, Leutschach, Gamlitz und Ehrenhausen.

Bereits in den Gebietsweinen ist der typische Charakter des südsteirischen Sauvignons erkennbar. Die Ortsweine zeigen mehr Tiefe, Substanz und das Terroir ihrer Herkunftsgemeinde. Sie bereiten in jungen Jahren Freude, gewinnen aber durch einige Jahre Flaschenreife an Kraft und Ausdruck.

 

Riedenweine:

 

Die Spitze der südsteirischen Weine stammt aus Einzellagen (Rieden), vergleichbar mit französischen Grand Crus oder Premier Crus. Die Riedenweine werden meist länger ausgebaut und spiegeln das spezifische Terroir einzelner Lagen wider, sind vielschichtig und lange lagerfähig. Ihre Komplexität nimmt mit der Dauer der Flaschenreife zu.

Einige Vertreter südsteirischer Top-Sauvignons sind auch international auf Weinkarten präsent, etwa Pössnitzberg von Erwin Sabathi, Zieregg von Tement, Kranachberg vom Sattlerhof, Hochgrassnitzberg von Polz.